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Ins Netz gegangen: der Labertran

„Schule hat sich auf den Weg gemacht.“

Heute widmen wir uns dem Labertran. „Schule hat sich auf den Weg gemacht“ sind wundervoll nichtssagende Worte. Sie sind mit Labertran geradezu gesättigt. Es geht dabei auch nicht nur um Schule. Ersetzen Sie den Begriff gerne durch Kommune, irgendeine beliebige Institution oder eine Personengruppe. Allerdings hört und liest man diese Worte nirgends häufiger als im Kontext von Schule und Bildung. Und um auf den Punkt zu kommen: Ihr inhaltlicher Wert ist in der Regel gleich Null. Zumindest in dem Kontext, in dem sie häufig zu hören sind. Zum Startschuss eines Projekts passt diese Aussage perfekt. Als Zwischenstandsmeldung, ohne dass sie konkret ausgeführt wird, ist sie nichtssagend.

Haben Sie sich heute schon auf den Weg gemacht?

XY hat sich auf den Weg gemacht“ ist zunächst mal eine Floskel. Schon ihr inflationärer Gebrauch sollte uns davon abhalten, sie zu verwenden. Warum hört oder liest man sie trotzdem so oft? Nun ja, wenn ich weder konkrete Ergebnisse noch fassbare Projektfortschritte vorweisen kann, klingt „Ich habe mich auf den Weg gemacht“ unglaublich geschäftig und betriebsam. Wie „aussagekräftig“ diese Worthülse jedoch ist, illustriert folgender Dialog:

„Was macht eigentlich dein Sohn?“

Er promoviert …

„Aber er ist doch erst sieben …“

Ja, aber er hat sich schon auf den Weg gemacht. Wir haben ihn gerade eingeschult.“ 

Problem erkannt? Ich kann in der Mitte eines Prozesses stehen oder den ersten Schritt gemacht haben, in beiden Fällen trifft der Satz zu: „Ich habe mich auf den Weg gemacht„. Mit ein paar ergänzenden, allgemeinen Sätzen laviert man sich so prima um eine konkrete Aussage herum.

Ein Text wirkt auch alles andere als lesenswert, wenn er mit oft bemühten Projektfloskeln aufwartet. Er ist nicht originell, sondern erweckt den Eindruck, als habe man das alles schon mal gehört. Schauen Sie doch mal, wie es Ihnen bei folgenden Sätzen geht:

Große Potenziale lassen sich heben, wenn viele Akteure ihr Engagement bündeln und zusammen an einem Strang ziehen.

Wir verstehen es als unsere Aufgabe, in einen intensiven Dialogprozess einzutreten und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Wir leben in Zeiten epochaler Veränderungen, in denen wir beim Bürger nur durch Kontinuität und Verlässlichkeit überzeugen können.

bla, bla, bla …

TIPP: Solche Sätze sind heiße Luft. Es sind sprachliche Nebelkerzen, die aus kommunikativer Sicht nicht professionell, sondern nachteilig wirken. Seien Sie lieber konkret. Vermeiden Sie inhaltsleere Aussagen – vor allem, wenn sie schon mal „in aller Munde“ waren und damit mehr als ausgelutscht sind. 

 

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